Sucht sucht nicht aus….

Was sagt Wikipedia zum Thema „Sucht“ ?

Sucht ist der umgangssprachliche Begriff für verschiedene medizinisch-psychologische Krankheitsbilder. In der Fachwelt ist er ersetzt worden durch die Begriffe

* Abhängigkeitssyndrom für substanzgebundene Abhängigkeiten und
* Impulskontrollstörung, Zwangsstörung oder Verhaltenssucht für nicht-substanzgebundene Abhängigkeiten ;

in zahlreichen offiziellen und inoffiziellen Einrichtungen wird der Begriff „Sucht“ allerdings weiterhin verwendet

Aha! Na dann sind wir ja jetzt alle genauso schlau wie vorher, oder?

Mitnichten.
Ich bin inzwischen um einiges schlauer. Denn das Thema begleitet mich seit Jahren.
Warum greife ich denn nun gleich so ein schwieriges Thema auf? Ganz einfach. Oder doch nicht so einfach. Ihr werdet es lesen.
Ganz einfach? Weil ich betroffen bin!
Nicht so einfach?
Weil es unheimlich schwer ist, sich zu outen und sich offen mit dem Thema auseinander zu setzen.
Sich zu outen? Ja, ihr vermutet es jetzt vielleicht schon. Ich bin suchtkrank.
Mein Suchtmittel war der Alkohol. Somit bin ich alkoholabhängig, Alkoholikerin oder wie es im Volksmund gern genannt wird: Alki oder Suffi.
War? Ja, denn ich kämpfe gegen meine Sucht.
Ich möchte nicht meine komplette Suchtkarriere darlegen, sondern vielemehr das, was mir momentan wichtig ist.
Einen ersten Schritt meinerseits mit meinem Problem öffentlich umzugehen findet ihr hier.
Und ich möchte gern daran anknüpfen.
Denn seit dem Bericht ist inzwischen knapp 1 Jahr vergangen, welches von Auf und Ab geprägt war.

Doch zuerst die Erklärung des Titels: „Sucht sucht nicht aus“
Viele sagen „Suchtis sind willensschwache Menschen!“ Nein, sind wir nicht.
Wir haben es uns nicht ausgesucht, süchtig zu werden. Und jetzt komme ich vom WIR wieder auf das ICH.
Ich habe es mir nicht ausgesucht. Ich wollte es nie. Und es ist immernoch ein Beigeschmack dabei, wenn ich sage: Ich bin Alkoholikerin.
Nämlich der Beigeschmack des Abgestempeltwerdens. Denn wie stellt man sich in der breiten Öffentlichkeit einen Alkoholiker vor? Genau – das sind die, die mit zerschlissenen Klamotten herumliegende Pfandflaschen einsammeln, nur um sich die nächste Dose Bier oder Pulle Schluck holen zu können. Abgewrackte, ungepflepgte Penner, die unter irgendeiener Brücke ihr Dasein fristen.
Und jetzt mal Hand auf’s Herz –

Entspreche ich dem Bild?
Ich denke nicht.
Denn ich lege schon Wert darauf, wie ich aussehe. Ich bin keine Tussi, ich schminke mich sehr selten, aber ich bin nicht ungepflegt, verwahrlost, verlaust oder verwanzt. Auch lebe ich nicht unter einer Brücke, sondern mit meiner Familie in einem normalen Haushalt.

Womit ist Sucht vergleichbar?
In den Behandlungskosten mit einer Krebserkrankung. Und auch sonst sind einige Parallelen zu finden.
Denn Krebs sucht man sich auch nicht aus. Im Normalfall möchte niemand weder krebs- noch suchtkrank werden. Trotzdem passiert es.
Wie sind die Heilungschancen?
Bei Krebs und bei Sucht etwa gleich schwammig.
Nur das Krebs operativ und medikamentös behandelt wird. Und Sucht eben nicht.
Natürlich gibt es auch operative Versuche, medikamentöse Substitution – aber für mich ist das Augenwischerei. Zumindest dann, wenn der Suchtkranke begriffen hat, woran er krankt. Die Entzugssymptomatik kann medikamentös behandelt werden. Aber nicht das „Hinterher“ –  denn da beginnt der Kampf.

So… das war der schwere Einstieg in die Problematik.
Ich denke, das war nicht der erste Artikel darüber. Aber jetzt möchte ich doch noch loswerden, warum ich überhaupt darauf gekommen bin.
Momentan steht ja der Valentinstag an. Und überall wird geragt, wie man sich den perekten Valentinstag vorstellt. Oder es werden Geschenke angeboten. Und was ist meist dabei?
Genau: Neben Blumen findet sich immmer Sekt, Wein oder sonstwas in der Richtung.

Oder schaut Euch die Antworten auf das das Gewinnspiel bei Melli an… was zu einem gemütlichen Bad gehört.
Ehrlich gesagt, hat sich mir der Magen umgedreht. Meine Freundin Netti hat sehr aufmerksam bemerkt, das anscheinend niemand eine mit Wasser gefüllte Badewanne benötigt. Wohl aber brauchen etliche Prozent der Teilnehmer das Glas Wein / Sekt für die perfekte Badewannenstimmung.

Auch der Kochalltag ist inzwischen geprägt von: ich lösche das mit Wein ab. Ich gebe aber noch Wein an die Sauce… Bla bla bla…. Weinempfehlungen noch und nöcher… geht ein Essen nicht ohne? DOCH!

Ich für meinen Teil habe noch nie gerne mit Alkohol IM Essen gekocht – den habe ich früher lieber dazugetrunken.
Jetzt nicht mehr. Und schon gar nicht, wenn 3 Kinder mit am Tisch sitzen und am Essen teilhaben!

Tja… jetzt kann ich nur sagen oder nein -ich stelle Euch die Frage: In welchen Situationen trinkt ihr Alkohol? Wo gehört er für Euch dazu? Fällt es Euch schwer, darauf zu verzichten?

Und ich hoffe, ihr bleibt mir trotzdem treu.
Vielleicht pcke ich es dann auch, von meinem Kampf mal zu berichten, ohne abzuschweifen!

sabolein

Schön, dass Du hier bist.
Auf „sabo(tage)buch“ schreibe ich zu vielen unterschiedlichen Themen.
Neben Alltäglichem findest Du hier jede Menge Rezepte aus unterschiedlichen Bereichen wie Low Carb, Crockpot/Slowcooker, Hefeteig, Pastagerichte und und und. Ich koche und backe aus Spaß und Freude.
Ehrliche Produktreviews sind ein weiterer Teil meines Blogs.
Und manchmal schreibe ich auch einfach nur über Dinge, die mir gerade durch den Kopf gehen.

13 Gedanken zu „Sucht sucht nicht aus….

  • 9. Februar 2011 um 15:02
    Permalink

    Hallo Sandra

    Jaaaa da ist was dran.

    Und gut geschrieben hast du das.

    LG Melanie

    Antwort
  • 9. Februar 2011 um 19:50
    Permalink

    Ich finde zu dem Thema, müssen einige Ausschweife sein, damit man sich irgendwie ans Kernthema ranarbeiten kann. Ich bewundere wie du damit umgehst, und zihe vor dieser Art den Hut. Mach weiter so, ich denke und hoffe das stärkt Dich auch für das Durchboxen.

    Zu deiner Frage: Ich trinke regelmäßig bei unserem Mädels-Stammtisch und dort oft ein Glas zuviel. Dazu ganz, ganz selten mal einen Wein oder Bier zum Essen, aber nicht zu Hause, immer nur wenn wir eingeladen sind oder im Restaurant. Zu Hause gibts nur Kaffee, Cola, Tee und so’ne Sachen. Im Sommer unterwegs auch gerne mal einen gespritzen Apfelwein gegen den Durst und das war’s. Im Essen gibts alle paar Wochen mal einen Schluck Rotwein im Gulasch und ein Schluck Cognac in der Pfeffersoße wenn es Mal T-Bones gibt. Als Nina nochj jünger war, gabs das gar nicht, obwohl ja immer gesagt wird verkocht alles, da wollte ich einfach kein Risiko eingehen.

    Ich warte auf einen weiteren Bericht, wann immer Du Lust dazu verspürst.

    Antwort
  • 9. Februar 2011 um 21:40
    Permalink

    Sabolein ich stehe der „Problematik“ relativ hilflos gegenüber, aber ich werde alles in meiner Macht stehende tun um Dir den Rücken zu stärken, wann immer Du es brauchst und nötig hast.
    Ich finde diesen Schritt sehr mutig und zolle Dir da den höchsten Respekt. Ich hoffe ganz sehr, dass Du diesen Schritt NIE bereuen musst.

    Was Deine Frage im Umgang mit Alkohol betrifft, so ist es so, dass ich inzwischen Alkohol eher ungern trinke. In meiner Jugend habe ich genug Bekanntschaft mit den unterschiedlichen Rauschmitteln, wozu auch der Alk gehörte, gemacht.
    Ich glaube der endgültige Umdenkprozeß war bei mir mit meinen Kindern abgeschlossen. Denn das war der Zeitpunkt, wo ich das Rauchen aufgeben habe. Das ist mir zugegebener Massen nicht so ganz leicht gefallen, denn ich habe damals gern geraucht. Inzwischen bin ich froh, dass ich das hinter mir lassen konnte.

    Aber was nun den Alkoholkonsum betrifft, ich koche relativ selten (lediglich mal asiatische Gerichte, wo Reiswein benutzt wird) mit Alkohol, auch trinke ich ganz selten Alkohol, wenn ich das über Jahr verteilt zusammenrechne komme ich auf nicht mal 5 mal.

    Mein Mann trinkt einmal im Jahr auf der Firmenfeier Bier und ansonsten nur Mineralwasser und Kaffee.
    Bzw. sind wir halt Vitamin-Junkies. Ich liebe frisch gepresste Säfte und da lassen sich zum Beispiel auch ganz tolle Cocktails mixen.
    Ebenso ich mag Latte Macchiato mit Amaretto – ABER ohne Alkohol und wie gut das es da Sirup von z.B. Monin gibt. Das kommt mir da sehr entgegen.

    Der Erfolg einer Party hängt bei mir nicht vom Alkoholgehalt ab. Ich bin auch ohne Alkohol lustig und kann Spaß haben. Denn Lachen ist der Treibstoff für meine Seele.

    Sabo, ich drück Dich und wünsche Dir auf Deinem Weg, den Du bestreitest ganz viel Kraft und Stärke und wenn die schwachen Momente kommen, weißt Du ja wo mein Handy hängt 😉

    :*
    Netti

    Antwort
  • 10. Februar 2011 um 20:31
    Permalink

    Ich habe deinen Bericht schon kurz nach der Veröffentlichung gelesen und mache mir seit dem meine Gedanken. Auch ich finde deinen Schritt, dieses Thema öffentlich anzugehen sehr mutig und zolle dir dafür großen Respekt.
    Ich für meinen Teil stehe dem Alkohol sehr zwiespältig gegenüber. Ich brauche ihn nicht, ich könnte gut und gerne ganz darauf verzichten. Ab und an, da ähnele ich mit 5x im Jahr Netti, trinke ich mal etwas alkoholisches. Bei mir waren auch die Kinder der Auslöser, erst die erste Schwangerschaft, dann die Stillzeit, dann die Erkenntnis, dass ich 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr vollständig einsatzbereit sein möchte. Ausserdem finde ich, dass rundherum um mich genug getrunken wird. Da muss ich nicht auch noch mitmachen. Ausserdem gibt es wenig alkoholisches, was mir wirklich schmeckt. Bier mag ich überhaupt nicht, Wein ist nur der ganz süße mein Ding, Sekt auch nur der ganz milde. Mir macht man da eher Freude mit einer Cola und ner Tafel Schokolade…
    Aber es ist so, dass der Alkhol uns immer umgibt. Beim Kindergartentreffen zu St.Martin gabs ganz selbstverständlich Glühwein und Bier. Beim Straßenfest ist es selbstverständlich, dass die Kinder ihren Eltern Bier zapfen und bringen und sich freuen, wenn sie dafür ein bisschen Geld bekommen. Je später der Abend, desto mehr, desto lieber zapfen sie. Ich konnte nur noch kopfschütteln und gehe nicht mehr hin. Nimmt mein Mann sich mal alkoholfreies Bier mit, weil er keinen Bock auf richtiges hat, muss er sich rechtfertigen. Hier aufm Dorf ist es üblich, dass Bier getrunken wird. Wenn sich die 15 – 16 jährigen nach dem Fussballtraining ne Flasche Bier aufmachen, ist das normal, der Trainer spendierts noch. Hallloooo?!

    Ich könnte noch Romane schreiben, in wie weit Alkohol mein Leben beeinflusst. Aber das führt zu weit.

    Bleib stark, geh deinen Weg, du schaffst das!
    Lieben Gruß, Sandra

    Antwort
  • 10. Februar 2011 um 20:57
    Permalink

    Danke ihr Lieben für Eure Kommentare.
    Ich habe lange überlegt, ob ich das Thema auf dem Blog aufgreife. Bei Blogspot hab ich’s irgendwie nicht gemacht. Aber das das hier „mein Baby“ ist, dachte ich mir, offene Karten sind nicht das Schlechteste.
    Außerdem ist es auch in irgendeiner Form ein „Befreiungsschlag“, wenn ich drüber schreibe.
    Danke <3

    Antwort
  • 4. Januar 2013 um 01:49
    Permalink

    Ich finde es voll klasse das du über deiner Sucht hier etwas schreibst! Ich habe eine andere und sehr harte Suchtgeschichte hinter mir und bin seit 12 Jahren Clean. Ich weiß auch wie komplex das Thema sucht ist.
    Oft denke ich das ich meine Geschichte „Online“ stelle, bin aber immer zu feige dafür.
    Lg

    Antwort
    • 4. Januar 2013 um 07:37
      Permalink

      Ach Nobby, das hat doch nichts mit Feigheit zu tun. Aber 12 Jahre clean ist echt eine Hausnummer! Respekt! LG 🙂

      Antwort
  • 4. Januar 2013 um 08:45
    Permalink

    Ich kannte Deine Geschichte auch nicht und auch von mir vollster Respekt für Deinen Mut und Deine Offenheit – das ist meiner Meinung nach und ein sehr großer Schritt gewesen.
    Ich trinke hin und wieder etwas. Wein und Bier hasse ich, schmeckt mir einfach nicht und ansonsten belasse ich es bei Geburtstagen bei Sekt oder mal ein Cocktail.

    Kochen mit Wein etc geht gar nicht und schon gar nicht wenn man Kinder hat und es schmeckt ja noch nicht mal *lach*

    Ich bin über Dein Outing gerade wirklich positiv baff…

    Antwort
    • 4. Januar 2013 um 08:59
      Permalink

      Danke Nasch 🙂
      Ich kann nicht behaupten, ich würde nichts vermissen – aber es lebt sich deutlich leichter und einfacher inzwischen. Obwohl – einfacher? Hm, die selbstgeschaffene Nebelbank hatte auch ihre Vorteile … Aber mehr Nachteile, muss ich jetzt ehrlich gestehen.

      Antwort
  • 4. Januar 2013 um 12:15
    Permalink

    Hallo Sandra,
    bislang kannte ich weder dich, noch deine Geschichte.
    ChapeauxVor deiner Ehrlichkeit und deinem Mut, mit dem Thema Sucht umzugehen.
    Alkoholismus ist für mich eine Erkrankung und ich glaube, dass es schwieriger ist, vom Alk wegzukommen, als von anderen Drogen. Denn Wein, Bier & Co sind gesellschaftlich toleriert und überall zu finden.
    Ich drücke dir die Daumen, dass du deinen Weg so weiter gehst. Du bist eine sehr starke Frau.
    LG
    Sabienes

    Antwort
    • 4. Januar 2013 um 12:23
      Permalink

      Hallo Sabienes,
      ja das allgenenwärtigsein und die Selbstverständlichkeit im Umgang mit Alkohol ist das, was das Aufhören können zusätzlich erschwert.
      Aber toi toi toi – es geht!

      Antwort
  • 4. Januar 2013 um 22:21
    Permalink

    Hallo auch von mir!
    Auch ich wusste nix von deiner Sucht und bin genauso beeindruckt von deiner Große und dem Mut, dass so öffentlich zu machen!

    Klar ist, dass Alkohol irgendwie zur Gesellschaft dazugehört. Ich habe einige Zeit in meiner Studienzeit bewusst auf Alkohol verzichtet, da ich immer gefahren bin und bin immer schief angeguckt worden, weil wir trotzdem gut und lustig gefeiert haben. Die Leute haben dann immer gesagt, die sind doch betrunken und wir hatten alle nichts getrunken.
    Bei Weihnachtsfeiern und Geburtstagen habe ich auch nichts getrunken und bin von Kollegen und Fremden immer doof angeguckt worden, was das denn soll. Ob ich ein Problem mit Alkohol hätte… etc. Erschreckend, oder???

    Ich trinke gerne mal am Wochenende ein Glas Sekt oder Wein, natürlich nicht im Essen, wenn Kinder mit dabei sind. Es gibt Tage, da genieße ich es mir mal ein Glas zu gönnen, es gibt Tage und Wochen, da brauche ich es gar nicht. Es ist für mich ein Genussmittel.

    Aber ich drücke dir ganz doll die Daumen, dass alles weiter gut geht und du die Sucht in den Griff bekommst. Alles Gute…

    Und jeder hat doch eine Sucht, oder ein Problem, mit dem er sich mal außeinandersetzen muss, auch wenn das dann nicht Alkohol, Zigaretten oder Drogen heißt. Es ist halt nur nicht so anerkannt. 🙂

    Antwort
    • 4. Januar 2013 um 22:28
      Permalink

      Danke Sabrina 🙂

      Antwort

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Hier werden sie nicht nur gebacken, sondern auch (maximal 7 Tage lang) genutzt. Cookies erleichtern die Bereitstellung dieser Webseite. Mit der Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit dem Einsatz von Cookies einverstanden. Mehr Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen