Timur und sein Trupp

Angeregt durch einen Wirklich sehr kurzen Artikel von Timm, bei dem es schlichtweg um Freundlichkeit ging, sind mir heute wieder einmal einige Sachen durch den Kopf gegangen. Ich habe meine Kindheit mit der meiner Kinder mal verglichen und mir sind einige Sachen wieder eingefallen, die wir vermittelt bekommen haben und und und.

Ich bin ja nunmal in der DDR groß geworden und als die Mauer fiel, war ich gerade erst bereits 17. Also schon so richtig groß, zumindest kam ich mir damals so vor.
Aber ich denke, mit 17 erlebt man viele Dinge auch schon sehr bewußt und speichert sie an einer ganz anderen Stelle als mit 7.

Unter anderem fiel mir dabei auch wieder Timur und sein Trupp ein. Das war eine Pflichtlektüre bei uns.

Arkadi Gaidar (1904 – 1941) verfasste den Roman „Timur und sein Trupp“ ein Jahr vor seinem Tod. Das teilweise autobiographische Werk war sein größter Erfolg.
Der 14-jährige Timur ist der Anführer eines Hilfstrupps, der sich um die Angehörigen von Frontsoldaten kümmert. Das ist jedoch nicht so einfach, da es im Ort eine Gruppe gibt, die stets gegen Timur und seine Freunde kämpft.
Als die 13-jährige Shenja Urlaub in Timurs Heimatort macht, bringt sie den Trupp kräftig durcheinander und gewinnt gleichzeitig viele neue Freunde.

Bei uns gab es auch viele Timur-Trupps und Subbotniks, die ich mitgemacht habe. Ich gebe ja zu, dass es nicht immer mit vollster Begeisterung war, aber wenn ich einmal beim Einsatz war, dann auch voller Begeisterung.
Für mich war es selbstverständlich, dass ich geholfen habe. Wirklich so, wie es gerne auch beschrieben wird. Sei es, Schwangeren und Älteren einen Platz anzubieten, den Einkauf nach Hause zu tragen oder Einkäufe zu erledigen, wenn diese es nicht mehr selber geschafft haben.
Das ganze lief ohne Gegenleistungen. Aber trotzdem war ich auch froh, wenn ich als Dankeschön eine Brause, eine Schokolade oder ein Stück Kuchen bekommen habe. Ist ja auch verständlich, oder? Die „guten Taten“ wurden auch nicht an die große Glocke gehängt oder permanent wieder erwähnt.

Und wie ist es jetzt? Ich habe es im Bus noch nicht erlebt, dass ein Schüler freiwillig aufsteht, wenn jemand, dem das Laufen und stehen sichtlich schwer fällt, einsteigt.
Wer steht auf und hilft, einen Rollator oder einen Kinderwagen mit in den bus zu hieven? So ich auch Bus fahre, mache ich das.

Was ich allerdings gar nicht nachvollziehen kann ist der Fakt, dass viele „ihre gute Kinderstube“ anscheind inzwischen vergessen haben. Ist Meckern gerade in? Oder liegt es am Wetter? Im Supermarkt meckern inzwischen wirklich häufig die älteren, wenn es an der Kasse mal nicht ratz fatz geht, vielleicht jemand gerade eingelernt wird und die Abläufe nicht automatisiert sind. Wenn wir unseren Wocheneinkauf machen, lassen wir immer wieder Leute die hinter uns sind und sichtbar wenigiger Einkauf haben vor. Aber irgendwann ist es auch mal gut.
Neulich haben wir auch unsere Sachen aufs Band sortiert und in der Zeit 5 Personen vorbei gelassen. Als wir dann endlich fertig waren, kam ein Ömchen angeschossen (wirklich angeschossen, also noch gut beisammen und sicherlich nicht gebrechlich) und wollte sich partout noch an uns vorbeidrängeln. Keine Frage von ihr, ob sie eventuell schnell mit ihren paar Sachen noch vor dürfte. Sondern einfach ein selbstverständlicher Versuch, mit dem ausgestreckten Arm und dem sich darin befindlichen Einkauf von ein paar Teilen an uns uns unserem Einkauf vorbei vorzudrängeln. Sie hatte den Blick „Ich hab doch nur ein paar Dinge, stellt Euch nicht so an!“ drauf.
Ich habe mich wortlos sehr breit gemacht, den Wagen quer im Kassendurchgang verkeilt und laut zu meinem Mann gesagt: „So, jetzt sind die 5 guten Taten für heute durch, jetzt sind wir auch mal dran!“
Die Dame guckte recht empört und wollte sich wohl an die Kassiererin wenden. Bekam aber sofort das noch nicht ausgesprochene Wort abgeschnitten mit dem Satz „Die Kunden haben jetzt schon 5 Leute vorgelassen, jetzt werden Sie wohl warten müssen, bis Sie an der Reihe sind!“
Ich konnte mir ein dankbares Grinsen nicht wirklich verkneifen.

Und? Welche gute Tat habt ihr heute so vollbracht? Oder wie seht ihr das mit der Höflichkeit und Hilfsbereitschaft?
Und kennt eigentlich außer mir noch jemand „Timur und sein Trupp“?

sabolein

Schön, dass Du hier bist.
Auf „sabo(tage)buch“ schreibe ich zu vielen unterschiedlichen Themen.
Neben Alltäglichem findest Du hier jede Menge Rezepte aus unterschiedlichen Bereichen wie Low Carb, Crockpot/Slowcooker, Hefeteig, Pastagerichte und und und. Ich koche und backe aus Spaß und Freude.
Ehrliche Produktreviews sind ein weiterer Teil meines Blogs.
Und manchmal schreibe ich auch einfach nur über Dinge, die mir gerade durch den Kopf gehen.

12 Gedanken zu „Timur und sein Trupp

  • 9. Februar 2013 um 01:04
    Permalink

    Hallo Sandra,
    folgende Gedanken habe ich auch auf meinem Blog als Antwort zu Deinen Kommentar hinterlassen.
    Er passt, so denke ich, ganz gut hierher. 🙂

    Schön, dass ich Dich zu einem ausführlichen Artikel anregen konnte. 🙂
    Ehrlich gesagt kenne ich als Westberliner „Timur und sein Trupp“ nicht. Aber der Grundgedanke des Gebens und Nehmens bedarf nicht unbedingt eines Buches sowie der alleinigen Erziehung der Eltern. Sondern auch die Politik und Wirtschaft sind gefragt, dahingehend die Weichen zu stellen und es den Erziehungsberechtigten, damit sind auch die Lehrer gemeint, die Arbeit zu erleichtern.
    Doch da inzwischen alles nur auf Leistung ausgerichtet ist, zählt leider immer mehr das Recht des Stärkeren, was mit Demokratie und Sozialer Marktwirtschaft wenig zu tun hat, wenn ich dabei an das Wort soziale Gerechtigkeit denke.
    Es sind die Umstände die künstlich geschaffen werden sowie die Bequemlichkeit der Menschen die aus wirtschaftlichen Gründen ausgenutzt wird, die es die Erziehung der Kinder oberflächlich erleichtern sollen aber in Wirklichkeit nicht absehbare negative Folgen haaben wird. Wir sind noch am Anfang dieser Entwicklung, die immer schneller voranschreitet. Da bedarf es immer mehr Courage, sich dem entgegen zu stellen und zu hoffen, dass noch mehr dabei mitmachen. …

    Antwort
    • 9. Februar 2013 um 10:28
      Permalink

      Hallo Timm,
      🙂 Ist nicht schlimm, dass Du Timur nicht kennst.
      Hat es denn jetzt mal mit dem „Ping“ geklappt? Auch wenn ich nicht Vasili bin?

      Antwort
  • 9. Februar 2013 um 01:35
    Permalink

    Das ist ein schönert Artikel liebe Sabo. Ich denke sowohl im Osten als auch im Westen wurde früher sehr auf gute Umgangsformen geachtet. Allerdings ist mir heute aufgefallen, dass viele diese nicht mehr anwenden. Erster Fall war heute im Supermarkt, als meine Schwester und ich während des Kassiervorgangs mit der Kassiererin ein bißchen gescherzt haben und hinter uns ein Mann entnervt gestöhnt hat. Die Kassiererin meinte daraufhin nur, wir sollen uns nicht hetzen lassen, sie würde uns gerne zuhören! 🙂 und die zweite Sache war heute im Krankenhaus beim Besuch meiner Mutter. Die eine Krankenschwester hat seit heute von uns den Namen „Schwester Unlustig“, weil sie anscheinend zum Lachen in den Keller geht. Die antwortet einem gar nicht oder wenn sie einem antwortet, dann mit dem Rücken zu einem und im Weggehen, so dass man nicht weiß, ob die Antwort einem selbst gegolten hat. Augenkontakt ist da anscheinend ein NoGo. Und es ging dabei um eine fachliche Auskunft. Bei „Schwester Unlustig“ hätte ich mich nie getraut zu scherzen. Auf alle Fälle, was ist das denn für ein Miteinander, wenn man für andere Menschen nicht mal ein freundliches Wort über hat, keine Zeit um sich an einem kurzen Smalltalk zu erfreuen. Geht es manchen Menschen nicht so, dass ein unerwartetes Lächeln einem ein ganz tolles Gefühl vermitteln kann? Wie arm sind manche Menschen, das sie diese Erfahrung nicht kennen oder nicht kennen wollen?

    Antwort
    • 9. Februar 2013 um 10:27
      Permalink

      Das „in sich reinbrummeln“ möglichst noch im Weggehen finde ich auch extrem ätzend.

      Antwort
  • 9. Februar 2013 um 12:02
    Permalink

    Hallo Sabo,
    bin deinem Ping von Timm aus zu dir gefolgt. Hat also geklappt 😉 Ich glaube auch nicht, dass es erstlich eine Frage des Systems ist mit der Hilfsbereitschaft, sondern wirklich eher eine generelle Verhaltensweise unserer Zeit. „Organisierte Hilfsbereitschaft“ finde ich übrigens etwas fragwürdig. Die Menschen zeigen doch immer erst ihr wahres Gesicht in „freier Wildbahn“.

    Als Westkind kenne ich auch Timur und seinen Trupp nicht. Bei der Beschreibung deiner 5 guten Taten im Supermarkt habe ich mich durchaus wiedererkannt. Dieses selbstverständliche Vordrängeln hasse ich auch. Man kann doch fragen. Aber der Mund wird oft nur zum Motzen geöffnet, nicht für Nettigkeiten. Darum kommen bei mir nur Leute vor, wenn sie mit mir reden, auch wenn sie nur einen Artikel haben. Am dreistesten finde ich aber die Personen, die in einer langen Schlange nur denjenigen fragen, ob sie vorkönnen, der gerade vorne am Band räumt, und dabei einfach mal ganz locker 5 andere überholen, ohne sie zu fragen. Da werde ich dann auch zur Meckertante und kann ehrlich gesagt nicht verstehen, dass ich da oft die Einzige bin. Anscheinend schüchtert auch wortlose Frechheit viele Leute ein.

    Antwort
    • 9. Februar 2013 um 13:01
      Permalink

      Hallo Iris,
      Für uns Kinder war das mit der „organisierten Hilfsbereitschaft“ gar nicht so wild. Ich denke, als Kind sieht man es auch anders. Jetzt würde ich wahrscheinlich auch etwas blöd gucken, wenn wir als Erwachsene gesammelt zum Einkauf-Heimbringen angeleitet werden 😉

      Antwort
  • 9. Februar 2013 um 12:53
    Permalink

    Hallo Peggy,
    die Leute haben doch keine Zeit mehr…
    Hätte die Schwester sich umgedreht oder Du mit dem Mann an der Kasse geflirtet, dann hättest du bestimmt das strahlendste Lächeln bekommen! 🙂

    Nein, Scherz beiseite. Es ist wirklich schade, dass auf einfachste Kommunikationsregeln Wert gelegt wird.
    Aber wie sollen wir es auch anders erlernen?
    Wen du Dir die Politiker und deren Machenschaften ansiehst, die leben uns doch das schlimme Verhalten vor. Oder die Mode-Beautys …

    LG Timm

    Antwort
  • 9. Februar 2013 um 13:55
    Permalink

    Hallo Sabolein,
    ich bin auch manchmal etwas traurig darüber, wie Menschen ihre Kinderstube zu Hause lassen, wenn sie losziehen. Die wirksamste Waffe, das habe ich schon oft festgestellt, z.B. auch bei maulenden Patienten ist Freundlichkeit, am besten sogar in sehr überspitzter Form. Damit haben wir schon so manchen Muffelkopf geknackt. Das Problem liegt allerdings nicht nur in der Kinderstube, sondern auch im sich immer weiter ausbreitenden Egoismus. Hier bin ich und ich muss und ich kann nicht und ich… Ich freue mich immer, wenn ich mal eine positive Ausnahme treffe, und die gibt es zum Glück auch noch. Machen wir es besser und stecken mit einer, eigentlich selbstverständlichen Freundlichkeit, ein paar motzende Mitmenschen an.

    Antwort
    • 9. Februar 2013 um 13:57
      Permalink

      Ja 🙂
      Ich gehöre (wo ich grad Patienten lese) auch eher zu denen, die in der Praxis eher mit einem Scherz am Thresen auflaufen – find ich einfach netter, wenn dann auch mal ein Lachen aus der Hektik auftaucht 🙂

      Antwort
  • 9. Februar 2013 um 14:13
    Permalink

    Ich wollte, es gebe noch viel mehr von Deiner Sorte *Knutsch*

    Antwort
  • 9. Februar 2013 um 22:32
    Permalink

    ♥ seid bereit immer bereit 🙂
    ich habe heute am Neptunbrunnen ein eindeutig schwules süßes Pärchen zusammen fotografiert. Sie werden an mich denken, wenn sie irgendwo auf der Welt ihr Foto aus Berlin ansehen, auf dem sie ZUSAMMEN zu sehen sind.
    SaboSchatz, ich weiß, was du meinst!
    Knutschaaaaaaaaaaaaa :*

    Antwort
    • 9. Februar 2013 um 22:37
      Permalink

      Das nenn ich eine gute Tat! „Für Frieden und ….“ lassen wir das 😀 Knutschaaaaaaaa

      Antwort

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