Sunny hat mich mit ihrer letzten Suche auf die Idee für mein Thema gebracht. Wer kenn den Satz nicht: Wenn ich mal groß bin, werde ich …
Und genau das soll mein Thema für Sandra & Sandra suchen sein.
sabo&sunny suchen
Was wolltet ihr als Kind werden, und was ist aus diesen Träumen geworden?

Da ich in einer Mediziner-Familie aufgewachsen bin, wollte ich immer Ärztin werden. meine Lektüre war neben Kinderzeitschriften wie “Frösi” unter anderem “Medizin Aktuell”. Somit war ich mit abgetrennten Gliedmaßen, krankhaft veränderten Organen und anderen medizinischen Dingen bestens vertraut. Gut, die Fachrichtungen haben immer mal geschwankt.
Gerichtsmedizinerin wollte ich zuerst werden. Bis ich das erste Mal ein Bild von einer Wasserleiche gesehen hab. Damit war das Thema für mich durch. Aber da mich Anatomie und schnibbeln immer fasziniert hat, wurde aus der Gerichtsmedizinerin dann eben die Pathologin. Diesen Wunsch habe ich jahrelang gehegt und gepflegt.
Zwischendurch kam ich mal auf den Trichter, vielleicht doch Chirurgie zu wählen. Allerdings hat mir eine chronische Sehnenscheidenentzündung damals den Gedanken recht schnell wieder vertrieben. Orthopädie hätte ich auch ganz spannend gefunden, schließlich war mein Vater mein leuchtendes Vorbild.
Gar überhaupt nicht in Frage kamen für mich Dinge wie Allgemeinmedizin: Meine Begründung: Ich lass mir doch nicht von 90% der Patienten vorher schon sagen, was sie haben!
Kinderheilkunde: Fast das gleiche Argument, nur dass die meisten Eltern beim Kinderarzt noch bestimmter auftreten und neben den diagnosen auch meistens schon die passende Therapie auf Lager haben. Heutzutage ist das dank Dr. Google und Menschen mit einem dort erworbenen gefährlichen medizinischen Halbwissen noch viel schlimmer…,
Gynäkologie: nein danke, ich habe immer mal bei meiner Mutter in der Praxis assistiert und das macht mir wirklich keinen Spaß.
Zahnmedizin: erstens ist es eine separate Studienrichtung und ich finde nichts unspannender als in der Mundhöhle anderer Menschen rumzuprökeln. Zumal nicht alle die Mundhygiene wirklich ernst nehmen.
Urologie: Wenn ich mich mit männlichen Genitalien befassen möchte, dann such ich mir einen Freund oder werde Nutte, so war damals meine Argumentation.
Dermatologie: Ich habe ein Problem mit der mikroskopischeN Struktur von Haut. Ich kann schnibbeln, ich kann Pflaster kleben, Wunden versorgen, mir selber bei Sonnenbrand die Pelle abziehen, aber ich kann die Struktur nicht ab, da wird mir übel. Das ist nur ein Bienenflügel, das reich bei mir schon, dass ich kurz vor der Übelkeitsschwelle stehe.

Bildquellenangabe: 	Grey59  / pixelio.de
Bildquellenangabe: Grey59 / pixelio.de

Tja, was ist draus geworden? Da gerade in meiner Abiturzeit das Ost-Abi auf Westniveau gebracht werden sollte, wurden die Durchschnittsnoten für NC-Studiengänge um 1 Zensur abgewertet. Somit bin ich mit einem NC von 2,1 statt 1,1 an den Start gegangen. Zusätzlich bekamen wir 3 Wochen vor dem stattfindenden ZVS-Test Bescheid, dass wir diesen auch zu absolvieren hätten. Mit mehr oder weniger schlechten Kopien alter Aufgaben hatten wir also knappe 2,5 Wochen Zeit, uns vorzubereiten. Tolles Ding. An dem Tag war ich auch noch krank und habe den Test ganz schön in den Sand gesetzt (Toll, den test gibt es inzwischen nicht mehr, was für ein Ärger!). Zumindest hatte ich etliche Bewerbungen laufen.
Um die Wartesemester zu überbrücken, bin ich erst einmal als AuPair nach New York gegangen, danach habe ich 1 Jahr bei meinem Vater in der orthopädischen Praxis gejobbt. Damit hatte ich dann 5 Wartesemester auf dem Buckel. Ich war 21 und hätte kurz vor meinem 22. Geburtstag wieder auf eine Antwort warten müssen, ob ich nun studieren darf oder nicht. Das Grundstudium umfasst 6 Jahre und 3 Monate, wenn man gut durchkommt. Danach ist noch das AiP-Jahr fällig, bevor man sich überhaupt in eine fachärztliche Zusatzqualifikation begeben kann. Die Facharztausbildung dauert dann auch noch einmal gute 5 bis 6 Jahre. Ich wäre also, bei gutem Verlauf von Studium und FA-Ausbildung schlappe 12 Jahre beschäftigt gewesen und hätte mit 34 / 35 anfangen können, in meinem Wunschberuf zu arbeiten. Aber dann erst anfangen? Wo und wie und wann sollte ich da meine Familienplanung dazwischenschieben? Ich wollte immer mindestens 2 Kinder und das am besten vor 30 aber nach 25. Tja, somit war meine jahrelang gehegt Seifenblase geplatzt.
Ich habe mich dann umgeschaut, was sich als adäquate Ausbildung anbietet und bin bei der Physiotherapie gelandet. Im Februar 1996 hatte ich mein Staatexamen in der Tasche und im Februar 1997 war ich mit meinem Praktikum fertig und komplett zugelassener Physio. Das hat mir unendlich viel Spaß gemacht und ich habe es nie bereut, mich gegen das Medizinstudium entschieden zu haben. 2001 / 2004 und 2008 wurden unsere Kinder geboren, da wäre ich gerade fertiger Facharzt gewesen. Das einzige, was mir immer wieder ein wenig Wehmut einbringt ist, dass ich nie einen Präp-Kurs machen konnte.

Der Präparierkurs (lateinisch: „praeparare“, vorbereiten), von den Studenten vielfach kurz „Präpkurs“ genannt, ist Teil der vorklinischen ärztlichen Ausbildung. Im Präparierkurs sezieren die Studenten unter der Aufsicht von Dozenten und Präparatoren mit Formaldehyd und Alkohol konservierte Leichen. Die Entscheidung, ihre sterblichen Überreste einem anatomischen Institut zu vermachen, wird von den Körperspendern zu Lebzeiten getroffen. Die Körperspender und deren Hinterbliebene erhalten für diese Spende kein Geld oder ähnliches.

Ziel dieses Kurses ist es, umfassende Kenntnisse der makroskopischen Anatomie zu vermitteln. Da es nur aufgrund dieses Wissens möglich ist, die verschiedenen Körperfunktionen zu verstehen, ist der Kurs eine wichtige Grundlage für das Verständnis klinischer Zusammenhänge. Während des Kurses sollen nicht nur theoretische Inhalte erarbeitet werden, sondern der Stoff auch praktisch durch buchstäbliches „Begreifen“ erlernt werden.

Und bei Euch so?

Jetzt hab ich schon wieder so viel geschrieben. Naja, Berufswahl ist ja nun auch nix, was in 2 Minuten gegessen ist.