als gelernter Ossi darf ich das sagen. Immerhin habe ich die Zeit von 1972 bis zur Wiedervereinigung im Osten verbracht. Nach dem Abi 1991 bin ich zwar abtrünnig geworden, aber … Und somit darf ich auch Ossi-Brötchen sagen ohne dass es beleidigend ist oder sich jemand provoziert fühlen sollte. Denn – es ist eine Hommage an die “Konsumbrötchen” und nicht an die Luftgeschosse, die beim Reinbeissen zerbröseln (sofern noch Krume über ist, wenn sie aufgeschnitten sind)
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Eigentlich war geplant, dass wir am Vatertag / Herrentag / Himmelfahrtstag (wie auch immer das heißt) Besuch bekommen (ausm Osten 😉 ) und ich hatte beschlossen, dass ich ausreichend Brötchen backen will. Auf der Suche nach einem schönen Rezept bin ich beim Plötzblog und den DDR-Brötchen hängen geblieben. Und schon wusste ich, welches Rezept ich als Basis nehme!
Natürlich musste ich wieder rumexperimentieren … konnte ja gar nicht anders sein.

Der Plötzblog macht sie so:

Hauptteig

250 g Weizenmehl 550
165 g Wasser (sehr kalt)
6 g Frischhefe
5 g Salz
2 g Backmalz
5 g Schweineschmalz
Alle Zutaten 5 Minuten auf niedrigster Stufe vermengen und 15 Minuten auf 2. Stufe zu einem elastischen, glatten Teig kneten, der sich von der Schüssel löst. 1 Stunde Teigruhe in einem kühlen Raum. Den Teig anschließend einmal falten und erneut 1 Stunde zur Ruhe stellen. Sechs 70 g-Teiglinge abstechen, rund wirken und abgedeckt 60 Minuten gehen lassen. Nach 30 Minuten einschneiden. Die Teiglinge mit Wasser abstreichen und 20 Minuten bei 250°C mit Dampf backen.

Nun wollt ich ja nicht nur 6 Brötchen sondern so schätzungsweise 15 – 20 haben.
Und ich wollte mein selbstgemachte Lievito Madre endlich an den Mann ans Brötchen bringen.
Also habe ich die Teigmengen und die Zutaten etwas verändert in
250 g Lievito Madre (aus dem Kühlschrank)
500 g Mehl
rund 450 ml eiskaltes Wasser
1 Tüte Hefe (weil ich dem LM noch nicht ganz über den Weg traue, der ist noch zu jung)
1 TL (rund 14 g) Salz
15 g Schmalz (ich hatte nur Griebenschmalz)
1 EL brauner Zucker (dafür kein Malz)

Tja … und wenn ich bedacht hätte, dass in dem LM schon Feuchtigkeit drin ist, hätte ich nicht noch gut 200 g Mehl mehr nehmen müssen. Ich hatte am Ende 1,4 Kilo Teig und konnte 20 Brötchen (nach der Anleitung) wirken
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Ich gebe ja zu, dass ich tatsächlich bei der teigkonsistenz anfangs arge bedenken hatte, ob das was wird. Wollte aber nicht noch mehr Mehl reinkippen.
Nach 1 Std. im kühlen war der Teig schon fester und nach 2 Std Gare, also der Zeit zum Abwiegen und wirken hatte er eine richtig tolle Konsistenz und war gut formbar und nicht zu fest.

Ab mit den Dingern in den (hoffentlich) 250 Grad warmen Ofen, nachdem sie mit Wasser bestrichen wurden und nach 20 Minuten wieder raus
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Ich hatte eigentlich etwas mehr trieb erwartet, aber beim Aufschneiden war ich von der Konsistenz sowas von von den Socken
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Anfangs hatte ich mich noch geärgert, dass der Besuch abgesagt hat … aber
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die Brötchen scheinen in der Küche ein Eigenleben zu führen …
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die belegen sich alleine mit Schinken und sind soooo lecker.
Die Brötchen haben keine Mega-Luftblasen, sie zerbröseln nicht, wenn man sie nur anguckt …
und das nächste Mal ist das Lievito Madre bestimmt schon triebfreudiger und vielleicht gehen sie dann noch ein ganz klein wenig mehr auf. Nicht dass mich die Größe jetzt sehr stören würde, aber die sind so lecker, da sind trotz 70 g Teiglingen schnell mal 2 verschwunden…
Und sie schmecken tatsächlich nach Ossi-Brötchen! Jawoll!

ich habe mir jetzt mal den Spaß gemacht, und ein Brötchen aus der SB-Theke gewogen … 63 Gramm
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Man sollte es kaum glauben, dass das Ossi-Brötchen nur 1 Gramm weniger hat
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dabei ist es annähernd 2/3 so groß – oder gut 1/3 kleiner …

Da ich gerade wieder bei Bäcker Süpke “zu Gast” war und das Konsumbrot nachgebacken habe, will ich noch fix ein Bild liefern!
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Allerdings fehlt jetzt schon ca 1/3 des warmen Brotes. Nu muss aber auch gut sein, denn sonst gibts Wanstrammeln und ich kann nicht schlafen!